Afrika 2018

Es war eine private – Familien – Reise ins südliche Afrika, die mich wieder einmal mit unserem Nachbarkontinent in direkten Kontakt brachte. Der Chobe Nationalpark in Botswana sowie der Hwange Nationalpark in Zimbabwe brachten uns die Natur und die wild lebenden Tiere sehr nahe. Das war äußerst beindruckend. Ebenso war die Victoria Falls zu sehen, ein großartiges Erlebnis. Von Victoria Falls ging es mit dem Zug – sicher einem Luxuszug – nach Pretoria bzw. Johannesburg in Südafrika.

Vom Zug aus konnten wir die Weite der Landschaft auch jenseits der großzügigen Nationalparks erleben. Sie war selten landwirtschaftlich genutzt. Nur hie und da sahen wir abgezäunte grüne Areale, die dem Gemüseanbau dienten. Damit aber bin ich bei einem Kernproblem der afrikanischen Malaise. Immer wieder wird von ExpertInnen, auch aus Afrika, darauf verwiesen, dass Afrika genug Flächen hat, um die eigene Bevölkerung zu ernähren. Sicher ist die Kleinteiligkeit des Grundbesitzes und damit der Bewirtschaftung ein Problem. Und Enteignungen der weißen Grundbesitzer, ohne sorgfältige Organisation und Anleitung der neuen Grundbesitzer – wie dies in Zimbabwe leider stattgefunden hat -, hat die Ernährungslage noch dramatisch verschlimmert. Da muss die neue Führung der Republik Südafrika mit ihren Enteignungsplänen sehr aufpassen, um nicht in dieselbe Falle zu fallen. Enteignungen der alten Grundbesitzer sind nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit und der neuen Chancen für die schwarze Bevölkerung, sondern auch der Effizienz der landwirtschaftlichen Produktion und der Versorgung der Bevölkerung.

Angesichts des starken Bevölkerungswachstums und der massiven Verstädterung, die gerade in Afrika schon im Gange ist und noch fortgesetzt werden wird, ist die Erhöhung der Produktivität der Landwirtschaft besonders wichtig. Eine bessere Nutzung von Grund und Boden, von Düngemitteln und der Bewässerung, verbesserte Lagerungsmöglichkeiten und erhöhte Vermarktungschancen müssen den Bauern vermitteln werden. Die Regierungen müssen aber auch die Möglichkeiten nützen, um durch Zölle die einheimischen Produkte zu bevorzugen. Das ist auch – in bestimmtem – Ausmaß im Rahmen von Abkommen mit der Europäischen Union möglich und einige Länder machen dies auch. Sicher ist die Unterstützung der europäischen Landwirtschaft nicht sehr hilfreich in Bezug auf die Entwicklung der afrikanischen Landwirtschaft. Aber die europäische Agrarpolitik hat sich schon sehr zugunsten der afrikanischen gewandelt. Und ein gemeinsames Vorgehen der afrikanischen Partnerländer kann hier sicher noch mehr erreichen.  

Inzwischen ist aber ein neuer Akteur in Afrika aufgetreten und auch sehr aktiv: China. China hat nicht den Ballast einer kolonialen Vergangenheit. Und es enthält sich auch jeglicher moralischer Urteile hinsichtlich der Verletzung von Menschenrechten und demokratischer Grundsätze. China hat auch durch Investitionen in die Infrastruktur viel für die Entwicklung der afrikanischen Wirtschaft geleistet. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass die damit verbundenen Kredite und Zinszahlungen manche Budgets stark belasten. In mehreren Staaten ist die Verschuldung stark angestiegen und das ist meist auf die chinesischen Kredite zurückzuführen. 

Wenn der gestiegenen Kreditfinanzierung aber keine erhöhten Einnahmen gegenüber stehen kann das zu ernsthaften Problemen führen. Diesbezüglich sollten afrikanische Regierungen vorsichtig sein und aus einigen Ländern, denen die chinesische „Hilfe“ schon zum Verhängnis geworden ist, lernen. Die Ratschläge von Weltbank und Internationalen Währungsfonds waren nicht immer die besten, aber die jüngsten Warnungen der IWF Chefin Lagarde hinsichtlich der wachsenden Verschuldung sollten man ernst nehmen.

Ich will in diesem Zusammenhang keineswegs China eine grundsätzlich verfehlte Afrika Politik vorwerfen. Wie gesagt, viele Projekte im Verkehrsbereich aber auch im Energiesektor helfen afrikanischen Ländern bei ihrer Entwicklung. Allerdings geht China mit den Kreditzusagen oft unvorsichtig um – so wie das ja auch mit westlichen Kreditgebern oft der Fall war oder auch noch ist. Aber alle sollten aus den unvorsichtigen oder spekulativen Kreditvergaben lernen. Auch bezüglich mancher Investitionen im Bereich der Minenindustrie (z.B. Kobalt für die Erzeugung von Batterien) und auch beim – allerdings sehr begrenzten – Landerwerb für die Produktion von Agrarprodukten geht China nicht immer sehr ressourcen- und umweltschonend vor – ähnlich zu westlichen Investoren.

Es ist schade, dass manche Fehler aus der Kolonialzeit noch heute wiederholt werden. Jedenfalls sollte man bei der Beurteilung verschiedener privater und öffentlicher Investoren versuchen objektiv vorzugehen. Innerhalb Europas sind jedenfalls viele Stimmen zu hören, die sich kritisch mit der kolonialen Vergangenheit aber auch der aktuellen Politik auseinandersetzen. Und es gibt vermehrt Stimmen die darauf setzen, durch wirtschaftlichen Beziehungen den wirtschaftlichen Aufbau Afrikas zu unterstützen. Was grundsätzlich ein positiver Ansatz ist. 

Was die politische Lage am afrikanischen Kontinent betrifft so bleibt sie gemischt. In Zimbabwe hat sich die Lage nach dem knappen aber umstrittenen Sieg des Nachfolgers von Mugabe noch nicht beruhigt. In Südafrika hat es einen reibungslosen Übergang von Präsident Zuma auf seinen Nachfolger Ramaphosa gegeben. Aber trotz Verbesserung der Lage für die Schwarzen z.B. in Soweto, das wir besucht haben, gibt es angesichts der kritischen wirtschaftlichen Lage viel zu tun um die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. In Botswana hat es – wie hier schon üblich – einen reibungslosen Übergang auf einen neuen Präsidenten gegeben.

In Uganda hingegen hat der langjährige Präsident Museveni leider nicht verstanden, dass es nach den vielen guten Dingen, die er geschaffen hat, Zeit ist, an einen Nachfolger zu denken. Er ist ein trauriges Beispiel für einen ehemals erfolgreichen Präsidenten, der nicht aufgeben will. Sehr erfreut können wir hingegen sein, dass sich die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea massiv verbessert haben. Ich möchte mit diesem Lichtblick diesen kurzen Beitrag beenden und nochmals ein paar Fotos von unserer Reise zeigen.